virtuelle Präsentation der

Orgelbau-Anstalt von Wilhelm Rühlmann, Zörbig

mitteldeutscher Orgelbau 1842 - 1940


Kreutzbach

Urban Kreutzbach (Urbanus Kredsback * 28.08.1796 Kopenhagen - † 22.08.1868 Borna), als zweiter Sohn einer deutschstämmigen Minderheitsfamilie, in Dänemark geboren. Bereits in Kopenhagen interessierte er sich für Zinn und Holz. So schloss er bereits eine Ausbildung als Zinngießer ab und besuchte eine Lehre als Tischler. Hier stieg er binnen 6  Jahren zum Werkführer auf. Nachdem der Vater bereits früh verstarb, Weihnachten 1811, und das Kriegselend immense Ausmaße annahm, flüchtete die Witwe mit ihren 4 Kindern.

Bei Zeiten fasste Urban den Entschluss zum Auswandern. So zog es ihn ab 1820 durch die Länder (Schweiz, Frankreich und Deutschland). Er nahm dann 1822 Quartier im Gasthof "Zur Krone" in Pegau. Hier traf er auf den Orgelbauer Carl Gottlob Häcker. Dieser war gerade dabei, seine Werkstatt aus Pegau nach Borna zu verlegen. Häcker nahm Kreutzbach als Geselle auf und sie wurden in Borna sesshaft. In den folgenden Jahren florierte die Häcker'sche Orgelbaufirma. Kreutzbach machte den Meisterbrief und am 02.03.1827 erwarb er das Bornaer Bürgerrecht. Am 24.03.1827 heiratete er die Tochter des Schuhmachers, Wilhelmine Greßler. Dem Paar wurden 3 Töchter geschenkt.
1828 wurde der Grundstein für seine eigene Werkstatt gelegt, im Hinterhaus 229c. Hier baute er meist kleine einmanualige Orgeln. Wirtschaftlich ging es ihm gut. Leider musste er privat einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Am 05.08.1833 verstarb seine Frau Wilhelmine an Gehirnentzündung.

Am 06.06.1839 vermählte er sich mit der aus Frohburg stammenden Haushälterin, Johanne Emilie Linse. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne und 4 Töchter hervor. Danach ging es wirtschaftlich weiter bergab - größere und zweimanualige Orgeln entstanden. Die erste große Orgel entstand 1845 für Döbeln. Hierhin zogen die Familie und die Mitarbeiter für ein Jahr - Julius Urban (* 29.11.1845 Döbeln - † 22.09.1913 Leipzig) wurde hier geboren.

Nun wurde im Hinterhaus die Werkstatt zu klein. 1853 baute er ein sein neues Wohnhaus mit Werkstatt in der Grimmaer Str. 410/J (heute Nr. 3).

Nun wurden hier auch etliche Orgelbauer ausgebildet. Manche erlangten später auch Berühmtheit und gründeten später ihr eigenes Orgelbauunternehmen (Strobel, Ladegast, Bärmig * u.v.m.) . 

1868 bekam er von der Stadt Borna den Auftrag, eine große Orgel für die Stadtkirche zu erbauen. Es soll seine größte Orgel mit drei Manualen werden. Leider ging sein Traum nicht in Erfüllung, die fertige Orgel selber zu sehen, zu hören - der Meister Kreutzbach verstarb kurz nach Beginn der Arbeiten. Er wurde auf dem Kunigundenfriedhof beigesetzt - die Grabstätte gibt es nicht mehr.


Nach dem Tod des Vaters übernahmen seine Söhne Woldemar Otto
Richard (* 27.07.1839 Borna - † 21.06.1903 Borna) und Emil Hermann Bernhard (* 05.12.1843 Borna - † ?? ). Beide erlernten das Handwerk beim Vater und arbeiteten fast selbstständig. So wurde die Arbeit für die große Orgel übernommen und 1869 der Stadtkirche in Borna übergeben. Weitere große Werke der beiden Brüder entstanden für den Dom zu Meissen, Moritzkirche in Zwickau, Stadtkirche zu Johanngeorgenstadt, Friedenskirche zu Leipzig - es sollen insgesamt 10 Orgelwerke der Brüder gewesen sein.

Was die Spannung in der Betriebsführung hervorrufte ist ungewiss. 1875 trennten sich die Brüder. Bernhard scheidet aus und ging seinen Weg. Leider ist über den Verbleib nichts überliefert (Amerika?) - eine Auswanderung ist Spekulation.

Richard heiratete am 10.11.1874 die zweite Tochter des Bornaer Fleischermeisters Heyne, Minna Marie. Er firmierte nun an unter "Urban Kreutzbach Sohn sen." weiter. Die Orgeln vergrößerten sich, gegenüber seinem Vater; das Territorium ebenfalls. So wurde neben Sachsen auch Thüringen eingebunden. Die Auftragsbücher waren zu dieser Zeit sehr gut gefüllt. Kreutzbach ging, anders als Ladegast, auch neue Systeme und die Entwicklung ein.

So baute er seine erste pneumatische Orgel in Sachsen 1883 für die Nathanaelkirche in Lindenau (Leipzig). Kreutzbach baute beide Systeme. Ladegast blieb der Mechanik treu; Rühlmann stellte in kurzer Zeit auf reine Pneumatik um. Von dem starken Konkurrentendruck ließ er sich nicht unterkriegen. 1886 ging Karl Theodor Mannborg zu Kreutzbach und ließ sich zum Pfeifenorgelbauer ausbilden. Nach kurzer Zeit beim Orgelbauer KLAIS in Bonn, kam er zurück und gründete am 29.04.1889 in Borna seine Harmoniumsfabrik - sie erlang später Weltruhm.

Zur Gründung des BDO nahm auch Richard an der Gründungsversammlung in Leipzig, teil. Firma Kreutzbach war neben vielen, dort Mitglied geworden. Eine Mitarbeit im dortigen Organ ist nicht überliefert. 

Aus der Kreutzbach-Ehe gingen keine männlichen Nachkommen hervor, welche die Firma hätten weiterführen können. Es gab nur die Option, seinem Neffen Emil Müller, die Firma zu übergeben. Er versprach es ihm jahrelang! Warum hielt der Onkel Richard sein Wort nicht?

Die Witwe, Marie Kreutzbach, verkaufte am 17.09.1903 die Firma an die langjährigen und geschickten Angestellten, Friedrich Wilhelm Berger und Karl Friedrich Wilhelm Schmidt. Sie firmierten dann unter "Schmidt & Berger (Kreutzbach Nachf.)" Der Orgelbauboom ließ nach und so wurden nur noch 9 Orgeln erbaut. Orgelreparaturen standen nun an, damit der Lebensunterhalt bestritten werden konnte. 1909 entstand wahrscheinlich die letzte Orgel, seit 1910 wurden nur noch Reparaturen und Stimmungen durchgeführt. Der erste Weltkrieg und die anschließende Wirtschaftslage taten ihres gleichen. So wurde die Firma aufgelöst.

Friedrich Wilhelm Berger (* 09.04.1862 Borna - † 21.07.1929 ebenda)
Karl Friedrich Wilhelm
Schmidt (* 09.03.1867 Schkölen - † 02.01.1945 Borna)

Julius Urban Kreutzbach war nicht im Orgelbau tätig. Er ging nach der Schulzeit in die Tischlerlehre bei seinem Vater, um später Kenntnisse im Klavierbau zu erlernen. Durch mehrjährige Praktika vertiefte und erweiterte er seine Kenntnisse. In Leipzig gründete er seine eigene berühmte Pianofabrik im Jahre 1874 - "Hof-Pianofortefabrik-Leipzig Julius Kreutzbach". Dies war in der Mendelssohnstr. 12. Bereits 1887 brauchte er neue große Räumlichkeiten. Diese fand er in der Marschnerstraße 4, vor. Ende des Jahres 1895 erhielt der Pianofabrikant dann den Titel des „herzoglich anhaltischen Hoflieferanten“.




*) Georg Emil Müller (* 11.10.1857 Borna - † 04.10.1928 Pillnitz), war ein Enkel von Urban K. seiner ältesten Tochter aus erster Ehe. Emil wohnte nur wenige Häuser seines Großvaters, entfernt. Er war oft in der freien Zeit in der Orgelbauwerkstatt. Ähnlich wie sein Onkel Julius, trieb es ihn Richtung Klavierbau. Ostern 1871 kam er zum Tischlermeister Backofen in die Lehre. Er wurde dessen letzter Lehrling.

Sein Vater kaufte eine Wassermühle in Reichersdorf, wo die Familie dann auch wohnte.

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters musste er innerhalb der 2jährigen Ausbildungsdauer, abbrechen. Als einziges Kind musste Emil wieder zu Hause anpacken. Sein Eltern besaßen eine Feldwirtschaft, Müllerei und Brotbäckerei - diese Arbeiten lagen ihm nicht!

Eines Tages kam Onkel Bernhard zum Orgel stimmen nach Lausigk. Hier schüttete Emil sein Herz aus und wollte unbedingt zu ihnen nach Borna. Wenige Tage später ging er ohne Abschied von zu Hause weg, in die Orgelbauanstalt nach Borna. Hier blühte er als Praktikant wieder auf und absolvierte eine neue Lehrzeit. Danach konnte aber sein Lern- u. Wissensdurst nicht gestillt werden - er ging in die Fremde. Unter anderen standen die Orgelbauer Geißler und Sauer auf der "Liste". Im Januar 1877 kehrte Müller auf Anraten seines Onkels Richard wieder nach Borna zurück. Wegen Arbeitsmangel zog Müller 1879 erneut in die Fremde. Anfang 1882 holte ihn sein Onkel erneut nach Borna, mit der Aussicht auf Übernahme der Werkstatt. Im Juli 1883 heiratete Emil Müller und musste seine finanzielle Situation verbessern. 1884 ging Müller auf seine Frühjahrsstimmreise. Hier sollte sich sein Lebensschicksal entscheidend ändern. Wobei bei Reisebeginn noch niemand die geringste Ahnung hatte.   Carl Friedrich Zillgitt war 1886 junger Orgelbaugeselle bei Kreutzbach und ging nach Zwickau und heiratete nach Gera. Auch hier eröffnete er eine Filiale.

Auf besagter Stimmreise wurden sie Aufmerksam, dass Zillgitt die Werkstatt von Johann Gotthilf Bärmig, Werdau, übernehmen wollte. Bärmig wollte dies nicht und zog Müller vor!

In kurzer Zeit überlegte sich Müller mit der Familie und entschloss sich im Frühjahr 1887 nach Werdau umzuziehen und die Werkstatt zu übernehmen.

Am 3. Pfingstfeiertag 1887 eröffnete er sein Geschäft als "Emil Müller, Gotthilf Bärmigs Nachf. Orgelbauanstalt"

Johann Gotthilf Bärmig (* 13.05.1815 Werdau - † 26.10.1899 ebenda) war von 1836 - 1839 bei Kreutzbach in der Orgelbauerlehre und später noch einmal dort als Geselle. 1846 gründete er seine eigene Werkstatt in der Heimatstadt Werdau. Er baute eine Vielzahl an kleinen bis mittleren Orgeln. Weit über 100 Orgeln sollen es gewesen sein. 30% davon werden wohl heute noch existieren!

Emil Müller bekam in Werdau, Roten Berg, ein Grundstück zum wohnen und arbeiten. 1889 begann er mit der Herstellung von Orgelteilen; 1890 vergrößerte er seine Werkstatt und baute nebenher Harmoniums.



einige  Kreutzbach Orgeln/ Orgelwerke:

Bothfeld (??) ?
Großlehna (1843)
Kleingörschen (1840)



Im sächsisch-thüringischen Raum sollen 150-200 Orgeln aufgestellt wurden sein.
Viele davon sind erhalten!


1895 baute er ein Werkstattgebäude und 1897 ein Orgelmontagesaal. Der Orgelbau rückte immer weiter nach hinten. Den Bau von Orgelteilen stoß er ab. 1901 stellte er gänzlich auf Harmoniums um und konnte bereits das 1.000 Harmonium feiern. Sein Absatzmarkt war auch in der Schweiz, Rußland und Frankreich.

Um 1927 war es die größte Harmoniumfabrik in Europa gewesen. Das Œuvre sollen über 60.000 Müller-Harmoniums sein. Der Orgelbau endete 1905 und wird mit op 40 als letztes angegeben.

Quellenangabe:
- www.geschichteborna.de/borna/persoenlichkeiten/richard-kreutzbach [stark gekürzt]

- ZfI

- 100 Jahre BdO

- Lexikon norddeutscher Orgelbauer

- www.dieter-gocht.de/chroniken/chroniken-i-k/kreutzbach-julius/


einige  Kreutzbach Orgeln/ Orgelwerke:

Bothfeld (??) ?
Großlehna (1843)
Kleingörschen (1840)

Im sächsisch-thüringischen Raum sollen
150-200 Orgeln aufgestellt wurden sein.
Viele davon sind erhalten!

einige  Kreutzbach Orgeln/ Orgelwerke:

Bothfeld (??) ?
Großlehna (1843)
Kleingörschen (1840)




Im sächsisch-thüringischen Raum sollen
150-200 Orgeln aufgestellt wurden sein.
Viele davon sind erhalten!


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