Die Orgelbauanstalt RÜHLMANN bestand über 90 Jahre. Es verließen über 455 Orgelwerke die Firma, wobei die meisten in irgendeiner Form noch existieren (Original, Ruine, Fragmente). Erweiterungen und große Umbauten werden durch ihn ebenfalls als Opus geführt.
Nach 1915 nahm das ordnungsgemäße Führen der erbauten Orgeln stetig ab. So ist ab diesem Zeitpunkt das Forschen aus heutiger Sicht anzufangen. Um 1930 sank es noch einmal.

Die Wurzeln der Rühlmanns, einst aus Thüringen stammend, waren schon mit musikalischen Fähigkeiten ausgestattet.
Die Orgelbautradition begann 1846 mit
Friedrich Wilhelm Rühlmann (1812 - 1878). Er wurde in Schnellroda bei Querfurt geboren und wuchs auch hier auf. Die Literatur weiß zu berichten, dass sein Lehrmeister “Moritz Baumgarten” aus Merseburg war. Friedrich Wilhelm schaffte es bis zum Geschäftsführer. So legte er seine Meisterprüfung im Orgelbau ab und machte sich 1842 in Zörbig selbständig.
Warum gerade Zörbig?
Dieser Ort beherbergte bereits in den Jahren zuvor namhafte Orgelbauer - mitteldeutsche Orgellandschaft - und war im 18. Jahrhundert Residenzsitz der Herzöge von Sachsen-Merseburg.
Nach den Jahren der Orgelbaukunst verwaiste das Ansehen zusehens bzw. wurde zu DDR-Zeiten anderweitig genutzt. Nach dem Jahre 2000 versuchte ein gegründeter Förderverein Orgelbauer sich dieser Kunst wieder anzunehmen und stellte erste Räume restauriert der Öffentlichkeit vor.
Vorerst sind mir darüber keine weiteren Details bekannt.
PRIVAT
Von 1842 bis 1866 verließen unter der Führung von
Friedrich Wilhelm gerade 6 bis 7 Orgeln die Rühlmann - Werkstatt.  << Wohnung und Gebäude vor 1914 und um 2005 >>
Die Geschäftsführung erlangte sein Sohn Wilhelm sen. (1842 - 1922) bereits im Jahre 1866, da sein Vater schwer krank war. Sein Bruder Theodor (1847 - 1910) stand immer im Hintergrund und war ebenfalls beim Vater und bei Friedrich Ladegast (1818 - 1905), Weißenfels, in der Lehre. Als Nachfolger stand Wilhelm Rühlmann jun. (1882 - 1964) ab 1922 fest. Der geschichtsbewandte Rühlmann war großbürgerlich, humorvoll und führte ein glückliches Familienleben ohne irgendwelchen Schnickschnack. Aber mit der aufkommenden Kirchenbürokratie und Kämpfen bei Verhandlungen hatte es Wilhelm Rühlmann jun. nicht so. Er war Genießer statt Kämpfer!
Leider hatte er eine schwere Zeit zu überwinden. Weltwirtschaftskrise und der zweite Weltkrieg waren entscheidend. Aber vorher hatte er allerhand mit dem Orgelsachverständigen Willi Strube zu kämpfen. Er hatte mit Anteil an dem Niedergang des Zörbiger Orgelbaus.
Albrecht Rühlmann
(1927 - ), wollte gern Orgelbauer werden. Er mußte bereits mit 16 Jahren zum Arbeitsdienst, 1944 zur Wehrmacht und 1945 kam er in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus Sibirien war an einen Neuanfang in Zörbig nicht mehr zu denken. Der Vater hatte mit einem Augenleiden welches zur Erblindung führte, der Stamm der “Rühlmanner” war im Krieg gefallen und außerdem hatte er keine Berufsausbildung. Sein Vater hatte gute Beziehungen zum Orgelbauer KLAIS nach Bonn. So fing er dort an, und beendete in vierter Orgelbauergeneration seine Lehre frühzeitig am 08.09.1952. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er seinen geliebten Beruf aufgeben.

 


Wohnungseingang der Familie Rühlmann sowie
das Büro des Chefs um 1930

Holzlager / Schopf im Innenhof